Qualitätsmanagement in der Versicherungs-IT: Kostenverursacher oder Leistungsträger?

„Die IT in der Spur halten"


Was zählt heute im IT-Qualitätsmanagement, angesichts der Umbruch- und Ablösungsprozesse in dieser Branche?

An erster Stelle stehen offensichtlich Transparenz und Kostenoptimierung, wenn es darum geht, Software-Entwicklungsprozesse effizient abzuwickeln.
Erfolg versprechend ist zudem, Qualitätsmanagement als Komplettansatz im Unternehmen zu verankern, mit konsequenter Rückendeckung durch das Management.
Diese und weitere Empfehlungen gibt Dietmar Jansen, Vorstand der parche & partner AG, aufgrund seiner Erfahrungen als Berater in diesem Metier.

Er zeigt detailliert auf, wie erfolgreiches IT-Qualitätsmanagement „buchstabiert" wird.
Lesen Sie das gesamte Interview mit den Versicherungsforen Leipzig hier:

Versicherungsforen Leipzig: Was sind die aktuellen Schwerpunkte mit denen Sie im IT-Qualitätsmanagement-Umfeld konfrontiert werden?

Dietmar Jansen: Grundlegende Veränderungen in der IT-Welt in den vergangenen Jahren erfordern ein Umdenken bei der Entwicklung von Software-Applikationen.
Host-basierte Systeme wurden zum Teil durch hoch komplexe, heterogene Client-Server-Umgebungen abgelöst. Alte Strukturen wurden durch neue Techniken ersetzt.

Die Unternehmen führten vermehrt transaktionsgesteuerte Online-Systeme im B2C- und im B2B-Umfeld ein, die ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit, sprich Fehlerfreiheit, voraussetzen. Gleichzeitig verkürzten sich die Software-Lifecycle dramatisch.

Im Qualitätsmanagement gilt es daher Methoden und Vorgehensweisen zu entwickeln, die es ermöglichen, den Software-Entwicklungsprozess transparent zu machen sowie effizient und Kosten optimiert zu begleiten. Mit unseren Verfahren sind wir heute in der Lage, den IT-Verantwortlichen ein Werkzeug an die Hand zu geben, das sie in die Lage versetzt, ihre IT in Bezug auf Qualität, Kosten und Effizienz in der Spur zu halten. Gleichzeitig ermöglichen wir dem Management in der Software-Entwicklung, Prozesse zu kontrollieren, Schwachstellen schon vor der Einführung zu erkennen und zu beseitigen, ihre Ressourcenplanung zu optimieren und so Budgets und Zeitrahmen einzuhalten.

Versicherungsforen Leipzig: Mit welchen Konzepten erzielen Sie langfristig Erfolge bei Ihren Kunden angesichts Ihrer Schwerpunkte?  

Dietmar Jansen: Grundsätzlich unterscheiden wir beim QM zwei Ansätze.
Zum einen Enterprise Quality Management, oder kurz EQM, als die Einführung und Betreuung von unternehmensweiten QM-Systemen, einschließlich der erforderlichen Qualitätssicherungs-Maßnahmen.

Und zum anderen das bewährte QM im technischen Umfeld, wie es heute bereits von den meisten erfolgsorientierten Unternehmen betrieben wird und ein Teilgebiet von EQM darstellt. EQM bietet für Unternehmen, die diesen Komplettansatz wählen, die Chance, QM in allen Geschäftsfeldern einsetzen zu können. Im Gegensatz zum technischen QM greift EQM bereits auf der Managementebene und transportiert auf diese Weise die Akzeptanz für QM in alle Bereiche des Unternehmens bis zu jedem Mitarbeiter.

Unsere Kunden erwarten als Ergebnis unserer Tätigkeit keine akademischen Ansätze und Überlegungen sondern ein funktionierendes, auf alle Belange Ihres Unternehmens abgestimmtes QM-System.

Die Einführung von EQM erfolgt in zwei Phasen. in der ersten Phase geht es an die Definition der Rahmenbedingungen und der Strategie, im zweiten Schritt folgt die Umsetzung der Strategie. Projekt unterstützend begleiten wir diese Prozesse mit der Implementierung geeigneter Werkzeuge und Methoden sowie der Durchführung von Trainings und Workshops. Dies schafft die nötige Akzeptanz in den Unternehmen, um QM in der Praxis zu leben.

Versicherungsforen Leipzig: Auch in der IT ist der Spagat zwischen dem Sparzwang einerseits und der Einhaltung hoher, oft kostspieliger Qualität andererseits eine ständige Herausforderung. Auf welche Seite sollten die Unternehmen, Ihrer Erfahrung nach, mehr Gewicht legen?

Dietmar Jansen:  Zweifelsohne kostet Qualität Geld. Andererseits geht man schier unüberschaubare Risiken ein, wenn man Qualitätsmängel in Kauf nimmt.
Gerade in der Versicherungsbranche finden wir extrem hohe Anforderungen an den Datenschutz. Nehmen wir zum Beispiel die Sparte Krankenversicherung. Die Speicherung und der Austausch personenbezogener Daten zwischen Arzt und den Kassenärztlichen Vereinigungen oder auch Krankenhäusern und Krankenkassen erfordern ein Höchstmaß an Sorgfalt und betreffen ein sehr sensibles Thema. Fehler werden hier sofort zum Politikum und schädigen das Ansehen aller beteiligten Institutionen. Und es gibt weitere gute Gründe, in Qualität zu investieren.

Applikationen mit einem relativ langen Lifecycle sind typisch für Versicherungsunternehmen, exemplarisch seien hier Bestandsführungs-, Schaden- oder Produktmanagementsysteme genannt. Mit einem konsequent umgesetzten QM stellt man über die gesamte Einsatzzeit dieser Softwaresysteme sicher, dass sowohl Wartung/Weiterentwicklung als auch deren Migration unterstützt wird.

Oder betrachten wir die Bestrebungen der Finanzdienstleister, ihre operativen Risiken im Hinblick auf die Eigenmittelanforderungen nach Solvency II zu überprüfen und zu minimieren. Wenn alle Geschäftsprozesse, vor allem auch die traditionell mit erheblichen Risiken behafteten Prozesse in der Anwendungsentwicklung (Neu- und Weiterentwicklung von Anwendungssystemen) von der IT sauber und nachvollziehbar abgebildet werden und das Unternehmen in der Lage ist, dies durch entsprechende Maßnahmen im Bereich QM/QS zu belegen, ist dies somit ein Aspekt, der dem Unternehmen messbare finanzielle Vorteile bringt.
Wer hingegen aus "Sparsamkeit" Qualitätsmängel in Kauf nimmt, läuft häufig Gefahr, dank schlechter Planung oder durch den Einsatz fehleranfälliger Software die Kontrolle über die Prozesse zu verlieren, für die er die Verantwortung im Unternehmen trägt.
Als Folge drohen Störung der Geschäftsabläufe, verbunden mit Umsatzeinbußen, Verlust von Marktanteilen und andere Faktoren, die den Erfolg negativ beeinflussen.

Ein intelligentes QM, in Verbindung mit einem durchdachten Controlling, bildet den Grundstock für eine funktionierende IT.
Es wird häufig vergessen, dass IT nicht irgendeinem Selbstzweck dient, sondern dass ein Unternehmen mit seiner IT Geld verdient.

Also ganz klar: Qualität kostet Geld, bringt aber auch Geld.

Versicherungsforen Leipzig: Welche Maßnahmen kann man im Vorfeld bei der Abwicklung von Software Entwicklungsprojekten ergreifen um insbesondere die Einhaltung von Fertigstellungsterminen nachhaltig zu beeinflussen?

Dietmar Jansen: Hier empfehlen wir den Einsatz angepasster Werkzeuge zur Überwachung von Budgets, Terminen und Qualität. Hauptursache für Budget- und Terminüberschreitung ist selten mangelhafte Planung oder Konzeption, sondern häufig die schlechte Qualität der erstellten Software.
Hierdurch werden schon vor der Systemeinführung umfangreiche Nachbesserungsarbeiten notwendig, die zwangsläufig zu Terminverschiebungen führen. Die von uns eingesetzten Tools ermöglichen ein nahezu lückenloses Controlling des Entwicklungsprozesses von Beginn an. Sie geben zeitnah einen Überblick über den aktuellen Projektstand und machen Aussagen zur Qualität der erstellten Software. Selbstverständlich können auch Veränderungen einzelner Releasestände und die Auswirkungen auf Budget, Zeit und Qualität aufgezeigt werden.
Das Management wird über ein Dashboard in die Lage versetzt, diese Informationen quasi auf Knopfdruck abrufen zu können.

Versicherungsforen Leipzig: Von Experten wird häufig beanstandet, das Qualitätsstandards in der Softwareentwicklung nicht angewendet werden - wie kann Ihrer Meinung nach Abhilfe geschaffen werden?

Dietmar Jansen: Um sicherzustellen, dass Qualitätsstandards eingehalten werden, und dies gilt nicht nur für den Bereich der Software-Entwicklung, muss die nötige Akzeptanz bei allen involvierten Mitarbeitern vorhanden sein.
Akzeptanz erzeugt man, nach unserer Erfahrung, in erster Linie dadurch, dass QM bereits auf der höchsten Führungsebene gelebt und von dort bis in den letzten Winkel des Unternehmens getragen wird.

Gleichzeitig halten wir eine durchgehende Kontrolle, was die Einhaltung von Qualitätsstandards angeht, für unabdingbar.

Dies geschieht vorzugsweise mit geeigneten Controlling-Werkzeugen, die in den verschiedenen Ebenen einzuführen sind. Die Verteilung dieser Werkzeuge in allen Bereichen hat den Vorteil, dass jede Abteilung sich selbst kontrollieren und frühzeitig geeignete Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung ergreifen kann.

Den Beteiligten stehen jederzeit alle relevanten Informationen zur Verfügung, die Transparenz des Systems ist gegeben und es entsteht nicht dieser negative „Big-Brother-Effekt", der jeweils höheren Ebene ausgeliefert zu sein.

 

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